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Emotionale Einblicke in die „andere
Seite" der Heugel-Affäre
Politiker
von CDU, SPD und FDP haben im Fernsehsender des Kölner Krankenhauses Porz am
Rhein über die persönliche Einstellung zu Rücktritten diskutiert. Dabei gaben
der Porzer SPD-Vorsitzende Ingo Jureck und der Porzer CDU-Chef Jürgen Hollstein
tiefe Einblicke, wie sie die „Heugel-Affäre" persönlich erlebt haben. Der
frühere Oberbürgermeisterkandidat Klaus Heugel (SPD) musste 1999 überraschend
zurück treten, nachdem illegale Aktiengeschäfte bekannt geworden waren. Die
Kölner SPD verlor daraufhin die Kommunalwahl.
Jureck: „Pauschalurteile der Bürger
haben mich betroffen gemacht"
„Ich war
damals selber involviert, weil ich für den Rat kandidiert hatte", erinnerte
sich Ingo Jureck: „Dieser Rücktritt hat mehr oder weniger ein politisches
Erdbeben ausgelöst. Wir in der SPD hatten Schwierigkeiten zu vermitteln, dass
wir nicht alle so sind." Heugel habe damals zu Recht Konsequenzen gezogen: „Die
Pauschalurteile, mit denen uns die Bürger konfrontierten, haben mich aber
persönlich betroffen gemacht." Immerhin werde Kommunalpolitik ehrenamtlich
geleistet, so Jureck.
Hollstein: „Politik ist nicht alles
- nehme mir auch Zeit für mich selbst"
„Ich habe
letztlich von Heugels Negativ-Image profitiert", sagte CDU-Vorsitzender Jürgen
Hollstein, der damals erfolgreich für den Stadtrat kandidiert hatte und heute
im Landtag sitzt. Berührt habe ihn aber auch der Rücktritt einer Porzer
Parteifreundin aus dem Stadtrat, nachdem Vorwürfe aus ihrem persönlichen Umfeld
bekannt geworden waren. „Ich habe für mich die Konsequenz daraus gezogen, dass
Politik nicht alles ist", erklärte Hollstein: „Ich nehme mir seitdem auch
gezielt wieder Zeit für mich und habe zum Beispiel ein ruhendes Hobby wieder
aufleben lassen." Hollstein startet regelmäßig mit einem Segelflugzeug in die
Luft.
Kölner Buch-Autoren appellieren an
Verantwortung der Journalisten
Auch die
Buchautoren Pascal Beucker und Frank Überall, die im Berliner Econ-Verlag das
Werk „Endstation Rücktritt" über Politiker-Demissionen veröffentlicht haben,
stellten sich der fast zweistündigen Diskussion mit den Porzer Volksvertretern.
„Wir müssen uns stets der Wirkung unserer Berichterstattung bewusst sein",
sagten die beiden politischen Journalisten aus Köln, die gerade mit der Arbeit
an einem neuen gemeinsamen Buch begonnen haben. Man müsse bei einer
Verdachts-Berichterstattung stets sauber recherchieren und dürfe nicht
Halbwahrheiten schnell in Druck oder auf Sendung geben, ohne sie anständig
gegen zu checken. Rücktritt sei nicht gleich Rücktritt, so die Autoren: „Es
gibt völlig unterschiedliche Gründe: Von großen Verfehlungen über politische
Überzeugungen bis hin zur Übernahme der Verantwortung für das Fehlverhalten Anderer."
Porzer Bürgermeister: „Empfinde bei
Rücktritten weder Freunde noch Häme"
Der Porzer
Bezirksbürgermeister Horst Krämer sagte, er empfinde bei Bekanntwerden von
Politiker-Rücktritten „weder Freude noch Häme". Politiker seien ein Querschnitt
der Bevölkerung, da gebe es natürlich auch zuweilen Verfehlungen. Vieles aber
werde auch zu Unrecht von den Medien „hoch gespielt", was letztlich dem
politischen Geschäft schade. Auch der Porzer FDP-Vorsitzende Dominik Schmidt
und die Vorsitzende der Kölner Jungen Liberalen, Sylvia Laufenberg, sprachen
sich für Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit in der Politik aus. In diesem Sinne sei
der Rücktritt der damaligen Bundesjustizministerin Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger ein Vorbild, der auch in dem Rücktritte-Buch von
Beucker und Überall behandelt wird: Die Liberale hatte sich nichts zu schulden
kommen lassen, sondern war aus politischen Gründen aus Protest gegen den
„Großen Lauschangriff" zurück getreten.
In der
Reihe „Kultur im Krankenhaus" veranstaltet die ehrenamtliche Redaktion von
„Radio Tele AFD" regelmäßig Diskussionsrunden, die über den Hauskanal kostenlos
im Krankenhaus Porz am Rhein zu empfangen sind.
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