Ehrung der beiden Kriegsgegner Albin Köbis und Max Reichpietsch auf dem Militärfriedhof der Luftwaffenkaserne in Wahn
Am heutigen Samstagmorgen (8.9.2007) versammelten sich Mitglieder verschiedener Organisationen vor dem Tor der Luftwaffenkaserne in Porz-Wahn um eine Ehrung der vor 90 Jahren hingerichteten Kriegsgegnern Albin Köbis und Max Reichpietsch vorzunehmen.
Im Vorfeld dieser Ehrung hatte es seitens der Bundeswehr Versuche gegeben, eine Ehrung an der Gedenkstätte für die beiden Matrosen nicht zu genehmigen, weil sie diese als eine politische Veranstaltung eingestufte und den Zutritt der Teilnehmer auf das Kasernengelände ? wo sich der Friedhof befindet - verweigert hatte.
Durch das Informieren der Öffentlichkeit und das Aktivwerden von
Politikern (wie z.B. der Kölner Bundestagsabgeordnete Dr. Rolf
Mützenich (SPD),der Aktivitäten von linken MdB's wie Paul Schäfer, Ulla
Jelpke und Gert Winkelmeier), sowie Stellungnahmen von
Gewerkschaftsvorsitzenden der Regionen von Oldenburg/ Wilhelmshaven,
Manfred Kloepper und Köln-Leverkusen-Erft-Rhein-Berg, Wolfgang
Uellenberg-van Dawen wurde eine Situation hergestellt, in der dann doch
eine mehrköpfige Delegation Blumengebinde am Denkmal niederlegen
konnten.
Gert Winkelmeier hatte sich zusätzlich als Mitglied im
Verteidigungsausschuss angemeldet und begleitete die Gruppe. Trotz der
Auflage dort keine "politische Rede" zu halten, erklärte ein Vertreter
der Kulturvereinigung Leverkusen e.V.: "Wir ehren heute hier die beiden
Kriegsgegner in ihrem Sinne werden wir weiterkämpfen!"
Die anschließende Demonstration vom Kasernenhaupttor Flughafenstraße
entlang der Bundeswehrkaserne endet am ehemaligen Haupttor auf der
Heidestraße. Dort hielt das Mitglied des Verteidigungsausschusses des
Deutschen Bundestages, MdB Gert Winkelmeier (Neuwied) eine Ansprache,
in der auch die Bundeswehreinsätze in aller Welt angesprochen und einer
kritischen Prüfung unterzogen wurden. Auf Transparenten und Plakaten
hatten die Teilnehmer u. a. auch die Forderung: "Bundeswehr raus aus
Afghanistan" erhoben und ihr deutliches Nein zu einem Krieg - unter
welcher verlogenen Parole er auch geführt wird- bekräftigt.
Im Anschluss an die Demonstration versammelten sich die Teilnehmer im Brauhaus Porz wo der zweite Teil der Veranstaltung stattfand. Dieser
entfernte Versammlungsort musste gewählt werden, weil die zugesagte
Gaststätte in unmittelbarer Nähe zur Luftwaffenkaserne ihre Zusage zur
Durchführung einer Saalveranstaltung kurzfristig zurückgezogen hatte.
Der Dipl.-Historiker Günter Judick, der schon vor vierzig Jahren an der
Gestaltung der Gedenkfeier für Köbis und Reichpietsch mitwirkte, konnte
in seiner Ansprache sowohl die historischen Aspekte eindrucksvoll
darstellen, wie auch aktuelle Bezüge herstellen. Seine Aussagen wurden
eindrucksvoll von einem Film untermauert, der vor rund vierzig Jahren
in der Bundesrepublik produziert wurde und eine Schilderung der
Ereignisse bei der "Matrosenmeuterei 1917" anhand der Dokumente
nachzeichnet.
Bei Abschluss der Gedenkveranstaltungen sprachen sich die Teilnehmer
für eine Initiative aus, die sicherstellen soll, zukünftig einen
ungehinderten Zugang zu den Gräbern der beiden hingerichteten Matrosen
zu sichern.
Die Kulturvereinigung Leverkusen e.V. so wurde zum Abschluss erklärt,
fühlt sich verpflichtet für diese Forderung auch zukünftig aktiv zu
streiten.
Fotos dieser Aktion finden sie auf der Seite:
http://fotoalbum.web.de/gast/kultur-puderbach/Koebes#
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